Warum ist die gesetzliche Rente in Österreich höher als in Deutschland?


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Zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir alte Freunde getroffen. Alle 55+, viele selbstständig oder leitend angestellt, also genau in der Lebensphase, in der das Thema Rente plötzlich nicht mehr abstrakt ist, sondern ein Datum bekommt.

Wie so oft kam das Gespräch irgendwann automatisch auf die Frage:
„Wie sieht es eigentlich bei dir aus – reicht das später?“

Und wie ebenfalls fast immer, landeten wir irgendwann bei diesem Satz:

„In Österreich bekommen die Leute doch viel mehr gesetzliche Rente als bei uns – wie kann das sein?“

Die Diskussion wurde lebhaft. Die einen vermuteten politische Inkompetenz in Deutschland, andere ein „Wunder-Rentensystem“ in Österreich. Wieder andere meinten: „Die haben halt einfach mehr Glück mit der Demografie.“

Ich habe gemerkt: Da lohnt sich ein genauer Blick. Also habe ich recherchiert.
Was dabei herausgekommen ist, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

Viel Spaß beim Lesen.

Der Befund:

Ja, die gesetzliche Rente ist in Österreich deutlich höher

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an:
Die Unterschiede sind real und substanziell, nicht kosmetisch.

  • Die durchschnittliche gesetzliche Altersrente liegt in Österreich spürbar höher als in Deutschland.
  • Zusätzlich zahlt Österreich 14 Renten pro Jahr (inkl. Urlaubs- und Weihnachtsgeld), Deutschland dagegen 12.
  • Die sogenannte Netto-Ersatzquote – also der Anteil des letzten Einkommens, der durch die Rente ersetzt wird – ist in Österreich deutlich höher.

Kurz gesagt:

Wer sein Erwerbsleben überwiegend in Österreich verbracht hat, bekommt im Schnitt mehr gesetzliche Rente als jemand mit vergleichbarer Biografie in Deutschland.

Die spannende Frage ist also nicht ob, sondern warum.

Wie Sie gleich lesen werden, es gibt nicht nur einen Grund.

Kein Wunder, keine Magie – sondern höhere Beiträge

Der wichtigste Unterschied ist banal – und genau deshalb wird er oft verdrängt:

Österreich finanziert seine gesetzliche Rente deutlich großzügiger.

Der Rentenbeitrag liegt dort bei rund 22,8 % des Bruttolohns, in Deutschland bei 18,6 %. Das klingt nach wenigen Prozentpunkten, bedeutet aber über ein gesamtes Erwerbsleben hinweg sehr viel Geld.

Mehr Beitragseinnahmen bedeuten:

  • höhere laufende Rentenzahlungen
  • weniger Druck, das Rentenniveau abzusenken

Das ist keine ideologische Frage, sondern einfache Mathematik.

Wer mehr einzahlt, kann mehr ausgezahlt bekommen. Banal!

Der Haken: Höhere Beiträge sind nichts anderes als höhere Lohnnebenkosten – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen.

Der zweite Hebel: Der Staat greift stärker unter die Arme

Neben den Beiträgen spielt der Bundeszuschuss eine zentrale Rolle.

Ein fairer Vergleich darf hier nicht auf absolute Eurobeträge schauen – Deutschland ist schlicht größer. Sinnvoll ist der Blick auf den staatlichen Zuschuss pro Rentner.

Und hier zeigt sich:

  • Der österreichische Staat unterstützt die gesetzliche Rente pro Kopf deutlich stärker als der deutsche.
  • Ein relevanter Teil der höheren Durchschnittsrente lässt sich genau dadurch erklären.

Mit anderen Worten:

In Österreich wird ein größerer Teil der Altersversorgung über Steuern solidarisch mitfinanziert.

Das ist politisch gewollt – und hat ebenfalls einen Preis:
mehr Belastung des Staatshaushalts, weniger Spielraum an anderer Stelle.

Und die Demografie? Hilft – erklärt aber nicht alles

In unserer Diskussion kam schnell das Argument:

„Die haben halt einfach die bessere Demografie.“

Das stimmt teilweise, aber nicht vollständig.

Österreich hatte über längere Zeit:

  • ein etwas günstigeres Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern
  • stabilisierende Effekte durch Migration

Das hat das System entlastet.
Aber: Die Demografie erklärt eben den Rentenunterschied nicht allein.

 

Zwei Länder, zwei politische Prioritäten

Wenn man einen Schritt zurücktritt, wird das Grundmuster klar:

Österreich:

  • legt politisch mehr Gewicht auf ein hohes gesetzliches Rentenniveau
  • akzeptiert dafür höhere Beiträge und höhere Steuerzuschüsse
  • nimmt höhere laufende Kosten in Kauf

Deutschland:

  • legt mehr Gewicht auf langfristige Finanzierbarkeit (ob das gelungen ist?)
  • hat das Rentenniveau bewusst abgesenkt
  • verlagert Verantwortung stärker auf betriebliche und private Vorsorge (leider mit einem schlecht gestalteten Instrumentenbaukasten)

Beides sind legitime Wege.
Aber sie führen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen für den Einzelnen.

Was heißt das für die persönliche Ruhestandsplanung?

Genau hier wird die Diskussion aus dem Freundeskreis relevant – und unbequem.

Denn egal, welches System man „sympathischer“ findet:

Keines der beiden Systeme garantiert automatisch den gewohnten Lebensstandard im Alter. Und wer in Deutschland lebt und arbeitet, muss mit dem aktuellen System zurecht kommen! Es sei denn, man wandert schon früh aus.

Österreich zeigt:
Hohe gesetzliche Renten sind möglich – wenn man bereit ist, sie kollektiv zu bezahlen.

Deutschland zeigt:
Stabilität hat ihren Preis – in Form niedrigerer Leistungen.

Für die individuelle Planung heißt das:

  • Die gesetzliche Rente ist eine Basis, mehr nicht.
  • Der Zeitpunkt des Ruhestands rückt näher – Ideologie hilft dann nicht mehr.
  • Entscheidend ist, wie Versorgungslücken realistisch geschlossen werden können: durch Vermögen, Entnahmestrategien, Liquiditätsreserven.

Mein Fazit nach der Recherche

Die höhere gesetzliche Rente in Österreich ist Realität.
Sie ist das Ergebnis von:

  • höheren Beiträgen
  • höheren staatlichen Zuschüssen pro Rentner
  • einer breiteren Pflichtversicherung
  • und (historisch) langfristig anderen politischen Entscheidungen

Nicht besser. Nicht schlechter.
Aber teurer – und ehrlicher im Umgang mit dem Leistungsversprechen.

Und was bedeutet das jetzt ganz konkret für Sie?

Die Diskussion über Österreich und Deutschland zeigt vor allem eines:

Die gesetzliche Rente ist immer ein politisches Konstrukt – und nie eine individuelle Lösung.

Ob ein Land höhere Renten zahlt oder nicht, ändert nichts an der zentralen Frage, die sich jede und jeder ab Mitte 50 stellen sollte:

Reicht das, was ich voraussichtlich bekomme, um meinen Lebensstandard im Ruhestand zu halten?

Genau hier endet die Systemdebatte – und beginnt die persönliche Planung.

Warum Rentenvergleiche allein nicht weiterhelfen

Der Blick nach Österreich ist interessant. Er hilft, Dinge einzuordnen.
Aber er löst kein einziges praktisches Problem:

  • Er sagt nichts darüber, wann Sie sinnvoll in den Ruhestand gehen können.
  • Er sagt nichts darüber, wie lange Ihr Vermögen reichen muss.
  • Er sagt nichts darüber, wie Entnahmen in schwankenden Kapitalmärkten sinnvoll gesteuert werden.
  • Und er sagt nichts darüber, wie gesetzliche Rente, Betriebsrente, Vermögen und Liquidität zusammenspielen.

Rentensysteme sind Statistik. Ruhestandsplanung ist persönlich.

Warum ich anders arbeite als viele klassische Finanzberater

Als unabhängiger Honoraranlageberater verkaufe ich keine Finanzprodukte auf Provisionsbasis.
Ich werde direkt von meinen Mandanten bezahlt – und genau deshalb kann ich mir erlauben, unbequeme Fragen zu stellen.

Zum Beispiel:

  • Wie hoch ist Ihre reale Versorgungslücke – nach Steuern und Inflation?
  • Was passiert, wenn die Kapitalmärkte in den ersten Jahren des Ruhestands schwächeln?
  • Welche Entnahmestrategie passt zu Ihrer Risikotragfähigkeit – nicht zu Verkaufszielen?
  • Wie viel Sicherheit brauchen Sie wirklich – und wo kostet sie unnötig Rendite?

Diese Fragen beantwortet kein Rentensystem.
Sie lassen sich nur individuell klären.

Für wen diese Art der Planung besonders sinnvoll ist

Meine Mandanten sind häufig:

  • 50 Jahre und älter
  • selbstständig, freiberuflich oder leitend angestellt
  • mit Vermögen aus Versicherungsabläufen, Unternehmensverkäufen, Abfindungen, Immobilien oder Erbschaften
  • und mit dem Wunsch nach Klarheit statt Produktverkauf

Viele haben eines gemeinsam:
Sie haben „irgendwie vorgesorgt“ – aber keinen klaren Plan, wie daraus ein verlässliches Ruhestandseinkommen wird.

Mein Anspruch: Ordnung, Realismus und Entscheidungsfähigkeit

Gute Ruhestandsplanung bedeutet für mich:

  • Transparenz über alle Einkommensquellen im Alter
  • realistische Annahmen statt politischer Versprechen
  • kosteneffiziente Lösungen ohne Provisionsinteressen
  • und vor allem: Entscheidungen, die man auch in schwierigen Marktphasen durchhalten kann

Ob die gesetzliche Rente in Deutschland oder Österreich höher ist, hilft ja nicht weiter.
Entscheidend ist, wie gut Ihr persönlicher Plan zu Ihrem Leben passt.

Wenn Sie das Thema für sich sauber klären möchten

Wenn Sie nach der Lektüre dieses Beitrags merken, dass die Frage

„Wie wird das bei mir eigentlich konkret aussehen?“

noch offen ist, dann ist das kein Problem – sondern ein sinnvoller Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen.

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