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SpaceX und die stille Macht der Indexanbieter
Der größte Börsengang der letzten Jahre wirft eine unbequeme Frage auf: Wer entscheidet eigentlich darüber, was in Ihrem ETF landet – und nach welchen Regeln?
Als SpaceX im Juni 2026 an die Börse ging, konzentrierte sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die üblichen Fragen:
- Wie hoch ist die Bewertung?
- Wird die Aktie steigen?
- Ist SpaceX das nächste Nvidia?
- Sollte man jetzt kaufen?
Für langfristig orientierte Anleger sind diese Fragen jedoch erstaunlich nebensächlich.
Der eigentliche Erkenntnisgewinn dieses Börsengangs liegt an einer ganz anderen Stelle. Er betrifft nicht die Zukunft von SpaceX, sondern die Funktionsweise der Kapitalmärkte selbst.
Denn rund um den Börsengang wurde sichtbar, wie viel Einfluss Indexanbieter mittlerweile auf die Kapitalmärkte haben – und wie flexibel die Regeln sein können, auf denen die vermeintlich passive Geldanlage basiert.
Die große Erfolgsgeschichte der passiven Geldanlage
ETFs haben die Geldanlage revolutioniert.
Die Grundidee ist ebenso einfach wie überzeugend: Anleger verzichten darauf, einzelne Gewinner vorherzusagen und investieren stattdessen in einen breiten Marktindex.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen seit Jahrzehnten, dass dieser Ansatz für die meisten Anleger erfolgreicher ist als der Versuch, einzelne Aktien oder Fondsmanager auszuwählen.
Die Gründe sind bekannt:
- Breite Diversifikation
- Niedrige Kosten
- Hohe Transparenz
- Verzicht auf Marktprognosen
- Diszipliniertes Investieren
Genau deshalb bilden ETFs heute das Rückgrat vieler Altersvorsorge- und Ruhestandsdepots.
Doch diese Erfolgsgeschichte beruht auf einer wichtigen Voraussetzung:
Die Illusion der völligen Objektivität
Viele Anleger betrachten Indizes als etwas Objektives.
Fast wie ein Thermometer.
Der Index misst den Markt. Mehr nicht.
Tatsächlich steckt hinter jedem Index jedoch ein umfangreiches Regelwerk.
Indexanbieter entscheiden beispielsweise:
- Wann ein Unternehmen aufgenommen wird
- Wann ein Unternehmen ausgeschlossen wird
- Wie hoch die Mindestgröße sein muss
- Wie hoch der Streubesitz sein muss
- Welche Aktiengattungen zulässig sind
- Wie Fusionen, Abspaltungen oder Börsengänge behandelt werden
All diese Entscheidungen sind sinnvoll.
Aber sie werden von Menschen getroffen.
Und genau das wird häufig übersehen.
Der Fall SpaceX
Mit dem Börsengang von SpaceX entstand für die großen Indexanbieter ein ungewöhnliches Problem.
Auf der einen Seite stand ein Unternehmen, das unmittelbar zu den größten börsennotierten Gesellschaften der Welt gehört.
Auf der anderen Seite existierten historische Regeln, die für Börsenneulinge längere Wartezeiten vorsahen.
Mehrere große Indexanbieter entschieden sich deshalb dafür, ihre Aufnahmeverfahren für besonders große Börsengänge zu beschleunigen.
FTSE Russell
FTSE Russell führte neue Fast-Entry-Regeln ein, die große Börsengänge deutlich schneller berücksichtigen können.
Nasdaq
Nasdaq verkürzte die Aufnahmefristen für besonders große IPOs.
MSCI
MSCI nutzt bestehende Verfahren, die eine frühe Berücksichtigung großer Neuemissionen ermöglichen.
S&P Dow Jones
Der Anbieter des S&P 500 hält bislang an deutlich strengeren Aufnahmekriterien fest.
Keine dieser Entscheidungen ist automatisch falsch.
Aber sie machen sichtbar, dass Indexregeln keineswegs unveränderlich sind.
Warum die Änderungen nachvollziehbar sind
Die Position der Indexanbieter ist durchaus verständlich.
Wenn ein Unternehmen plötzlich zu den größten börsennotierten Gesellschaften der Welt gehört, stellt sich die Frage:
Warum sollte ein Index dieses Unternehmen monatelang ignorieren?
Aus Sicht der Anbieter gilt:
Wenn SpaceX einen bedeutenden Teil des Marktes repräsentiert, spricht vieles dafür, die Aktie möglichst schnell zu berücksichtigen.
Andernfalls bildet der Index die tatsächliche Marktstruktur möglicherweise nur unzureichend ab.
Wie robust ist Ihr eigenes Weltportfolio?
Viele Anleger wissen nicht, welche Risiken, Konzentrationen oder methodischen Besonderheiten in ihren ETFs, Fonds oder Altersvorsorgeverträgen verborgen sind.
Im Rahmen unseres unabhängigen Finanzgutachtens analysieren wir Ihre bestehende Vermögensstruktur auf:
- Kostenbelastung
- Diversifikation
- Klumpenrisiken
- Steuerliche Effizienz
- Ruhestandsfähigkeit
- Entnahmestrategie im Ruhestand
