Inflation: Der Dieb, der nie klingelt – Kaufkraft-Rechner


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Kapitalanlage & Inflation
Der Dieb, der nie klingelt
Stellen Sie sich zwei Ereignisse vor.
Das erste: Ihr Depot verliert an einem einzigen Tag 8 Prozent. Die Nachrichten berichten darüber. Ihr Telefon vibriert. Vielleicht ruft sogar jemand an, um zu fragen, ob bei Ihnen „auch alles in Ordnung“ sei.
Das zweite: Ihr Geld verliert über zwölf Monate ebenfalls rund 8 Prozent an Wert – nur leise, unbemerkt, ohne Kursverlauf, ohne Schlagzeile. Niemand ruft an. Der Kontoauszug zeigt exakt denselben Betrag wie im Vorjahr.
Welches der beiden Ereignisse hat Sie tatsächlich ärmer gemacht?
Die ehrliche Antwort: beide gleich stark. Nur fühlt sich nur eines davon wie ein Verlust an.
Warum wir den stillen Verlust nicht spüren
Das menschliche Gehirn ist gut darin, Veränderungen wahrzunehmen, die es sehen kann. Ein roter Kontostand, ein fallender Chart, eine schlechte Nachricht im Radio – darauf reagieren wir. Was auf dem Konto in Ruhe liegen bleibt, wirkt dagegen wie Sicherheit. Die Zahl bewegt sich ja nicht.
Genau das ist die Falle. Die Zahl bewegt sich nicht – ihre Kaufkraft schon. Und diese Bewegung findet ohne Ausnahme statt, jedes Jahr, in guten wie in schlechten Zeiten. Nur ihr Tempo ändert sich.
Wer die letzten Jahrzehnte deutscher Wirtschaftsgeschichte betrachtet, erkennt ein Muster, das sich immer wieder wiederholt: Phasen ruhiger, kaum spürbarer Teuerung wechseln sich ab mit Jahren, in denen die Preise sprunghaft steigen – nach der ersten Ölkrise, nach der Wiedervereinigung, zuletzt in den Jahren 2022 und 2023. Wer damals Bargeld oder unverzinstes Tagesgeld hielt, hat in diesen beiden Jahren zusammen weit über ein Zehntel seiner Kaufkraft eingebüßt – ohne einen einzigen Kursverlust im klassischen Sinne.
Die Frage, die selten gestellt wird
In Beratungsgesprächen geht es häufig um Rendite. Wie viel Prozent bringt diese Anlage, wie viel jene? Das ist verständlich – Rendite ist sichtbar, vergleichbar, in Prospekten abgedruckt.
Seltener wird gefragt: Rendite worüber hinaus? Ein Sparbuch mit 1 Prozent Zins fühlt sich bei 1 Prozent Inflation solide an. Bei 6 Prozent Inflation ist genau dasselbe Sparbuch ein stiller Vermögensabbau von 5 Prozent pro Jahr – nur eben unsichtbar, weil kein Verlust auf dem Auszug steht, sondern lediglich ein bescheidener Gewinn.
Wer im Ruhestand oder auf dem Weg dorthin von seinem Vermögen leben möchte, kommt an dieser Frage nicht vorbei: Nicht „wie viel Prozent Zins bekomme ich?“, sondern „wie viel kann ich mir in zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren mit demselben Betrag noch leisten?“
Ein Blick auf die eigenen Zahlen
Abstrakte Prozentangaben überzeugen selten so sehr wie der Blick auf den eigenen, konkreten Betrag über den eigenen, konkreten Zeitraum. Deshalb habe ich ein kleines Werkzeug gebaut, mit dem Sie das selbst nachvollziehen können:
Interaktives Werkzeug
Geben Sie einen Betrag sowie ein Start- und ein Endjahr zwischen 1950 und heute ein und sehen Sie unmittelbar, wie sich die reale Kaufkraft dieses Betrags über den gewählten Zeitraum entwickelt hat – auf Basis der amtlichen deutschen Inflationsdaten.
Zum Kaufkraft-Rechner →
Zu Ihrer Sicherheit: Das Tool rechnet ausschließlich in Ihrem Browser. Es werden keine Eingaben ausgewertet, an einen Server übertragen oder gespeichert – weder von mir noch von Dritten. Sie können es also ohne Bedenken mit Ihren tatsächlichen Zahlen nutzen.
Probieren Sie es ruhig mit dem Jahr aus, in dem Sie in Rente gegangen sind, geheiratet haben oder Ihr erstes Gehalt bekommen haben. Die Differenz zwischen dem, was auf dem Papier stand, und dem, was es heute noch wert wäre, spricht oft deutlicher als jede Statistik.
Was daraus folgt – und was nicht
Dieser Artikel ist kein Plädoyer für eine bestimmte Anlageklasse. Es wäre zu einfach, jetzt zu schreiben „also müssen Sie in Aktien investieren“ – als sei Inflation der einzige Faktor, der zählt, und als gäbe es keine persönlichen Umstände, Liquiditätsbedürfnisse oder Risikograenzen, die ebenso Gewicht haben.
Was sich aus den Zahlen aber ableiten lässt: Kapital, das über Jahrzehnte lediglich nominal erhalten werden soll, verliert in aller Regel real an Wert. Ob das für Sie persönlich ein Problem darstellt, hängt davon ab, wofür dieses Kapital gedacht ist, wie lange es arbeiten soll und welche Bausteine bereits in Ihrer Vermögensstruktur vorhanden sind. Das ist eine individuelle Rechnung – keine allgemeingültige Formel.
Ins Gespräch kommen
Wenn Sie nach dem Ausprobieren des Rechners wissen möchten, wie sich Inflation konkret auf Ihre Vermögensplanung auswirkt – auf Ihre Entnahmestrategie, Ihre Rücklagen oder Ihre Altersvorsorge –, dann lassen Sie uns darüber sprechen. In einem unverbindlichen und für Sie kostenfreien Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Ihre persönliche Ausgangslage, ganz ohne Verkaufsabsicht und ohne Provisionsinteresse – das ist die Grundlage meiner Arbeit als Honorar-Anlageberater.
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Aus Klarheit folgt Ruhe.