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Haus Nummer 14: Ehepaar, Anfang siebzig, das Haus ist seit Jahren abbezahlt. Die Wohnkosten spielen kaum eine Rolle. Dafür geht ein gutes Stück des Budgets in Arztbesuche, ins Restaurant und in Ausflüge, für die man sich jetzt Zeit nimmt.
Haus Nummer 16: Mieterhaushalt, Mitte vierzig. Fast ein Drittel des Einkommens geht für die Wohnung drauf. Dafür bleibt für Restaurantbesuche und große Reisen wenig übrig.
Beide lesen dieselbe Inflationsrate. Beide spüren etwas anderes im Portemonnaie. Und beide liegen mit ihrem Bauchgefühl vermutlich näher an der Wahrheit als die Schlagzeile.
Der offizielle Verbraucherpreisindex ist kein Fehler in der Statistik – er ist genau das, was er sein soll: ein Durchschnitt über zwölf Ausgabenbereiche, gewichtet nach dem, was ein typischer Haushalt in Deutschland ausgibt. Nur wohnt dieser typische Haushalt nirgendwo. Er hat kein Gesicht, kein Alter, keine eigene Geschichte.
Sie dagegen schon. Und je nachdem, wie Ihr Budget verteilt ist, kann Ihre persönliche Teuerung spürbar über oder unter der Schlagzeile liegen – manchmal in eine Richtung, die man zunächst gar nicht erwartet hätte.
Für die Geldanlage ist die persönliche Inflationsrate keine akademische Spielerei. Sie entscheidet mit, wie viel reale Kaufkraft Ihr Vermögen über die Jahre tatsächlich behält – und wie viel Rendite Sie brauchen, damit am Ende mehr übrig bleibt als nur der nominale Kontostand.
- Wer überdurchschnittlich viel für Gesundheit und Freizeit ausgibt, braucht möglicherweise eine höhere reale Rendite als der Durchschnittshaushalt unterstellt.
- Wer zur Miete wohnt, sollte wissen, dass sich das Verhältnis zwischen Bestandsmiete und Neuvertragsmiete in den letzten Jahren spürbar auseinanderentwickelt hat.
- Wer seine Ausgabenstruktur kennt, kann Anlageentscheidungen treffen, die zur eigenen Realität passen – nicht zur Realität eines statistischen Durchschnittshaushalts.
Keine dieser Erkenntnisse braucht eine Excel-Tabelle oder ein Wirtschaftsstudium. Sie braucht nur ein ehrliches Bild davon, wofür Ihr Geld tatsächlich verwendet wird.
Zwölf Regler, zwei Minuten, ein Ergebnis, das näher an Ihrem Alltag liegt als jede Schlagzeile.
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Gunnar Marschke